Happy New Year

Puh, ich dachte das Jahr wäre fast schon wieder um, aber neee…es hat zum Glück gerade erst begonnen! Diese Woche haben wir auf der Lodge und bei den Nachbarn (Familien der Angestellten) das traditionelle buddhistische Neujahrsfest gefeiert. Die ganze Woche herrscht Ausnahmezustand, es ist so ziemlich das bedeutendste Fest hier und mit unserem Weihnachten gleichzusetzen. Vieles ist ähnlich wie bei uns: Tempelbesuche anstelle von Kirchengängen, Geschenke, essen, sitzen, essen, sitzen und seeeeeehr viele Familienmitglieder, die zusammen kommen… dazu kommt noch etwas Silvester-Stimmung: zu festgelegten Zeiten darf geböllert werden.

Neujahr wird in Sri Lanka „Avurudha“ genannt und berechnet sich jedes Jahr neu, je nach Sternenbild. Es ist zwar immer am 13./14.4., aber es werden die auf die Minute genauen Zeiten für Rituale und das Essen von Astrologen festgelegt. So beginnt das neue Jahr eben auch nicht um 00.00 Uhr, sondern in diesem Jahr um 13.47h. Der Plan wird extra zuvor in der Tageszeitung veröffentlicht.

Und dieser sah für den 14.4. dann eben so aus:

7.23 Uhr – Feuerwerk. Bedeutet: die Arbeit wird ab sofort nieder gelegt und zum Tempelbesuch aufgerufen.

13.47 Uhr – Countdown zum Neujahr, Feuerwerk.

14.05 Uhr – Aufkochen der Milch in einem Tontopf auf offener Flamme. Wichtig dabei: es muss im (!) Haus sein, dabei etwas rotes tragen und mit dem Gesicht Richtung Osten sitzen – dann klappts auch mit dem Glück.

14.42 Uhr – Anzünden der Öllampe, Geschenkeübergabe und es darf gegessen werden.

Wir haben den 13. und 14.4. mit den Gästen auf der Lodge und einigen traditionellen Zubereitungen von Essen verbracht, wie es so wohl auch in fast jeder einheimischen Familie stattgefunden haben wird. Denn was es zu essen gibt, ist auch eigentlich überall gleich aber auf jeden Fall sehr aufwändig:

  • Kiribath: Milchreis
  • Kokiss: pikante Cracker aus frittiertem Teig. Wird auf offener Flamme in heißem Öl gemacht und das Werkzeug ist ne Mischung aus Schmiedeeisen und Backförmchen an einer Angel.
  • gefüllte Teigbällchen
  • Keum: frittierter Teig, Mischung aus Muffin und Schmalzkuchen könnte man sagen
  • Sini Sambol: Zwiebelcurry (karamellisierte Zwiebeln mit Chili, seeeehr lecker)

Am Neujahr wurde dann traditionell von Shashika (Tochter der Lodge-Geschäftspartnerin und zukünftige Auszubildende) die Milch aufgekocht. Statt wie bei uns Blei zu gießen wird hier eben auf offener Flamme MIlch im Tontopf aufgekocht und diese sagt – je nachdem zu welcher Seite sie überläuft – eine gute oder schlechte Zukunft voraus. Wir hatten Glück: Shashika konnte ihren Freudenschrei nicht zurückhalten und hat uns allen eine positive Zukunft voraus gesagt 🙂 Danach war sie sehr erleichtert und stolz, da sie dieses Jahr zum ersten mal selbstständig das „Festkommitee“ geleitet und uns und den Gästen ihre Traditionen vorgeführt hat.

Die letzten beiden Tage (15./16.4.) waren wir zu den Nachbarn, also Elternhaus bzw. Bruder & Schwägerin unseres Kollegen Sameera eingeladen. Wir waren natürlich nicht die einzigen Gäste, sondern es herrschte ein buntes Chaos aus Brüdern, Schwestern, (Groß-)Eltern, Kindern, Tanten, Onkels und Cousins – und davon jeweils jede Menge. Da verliert man schonmal schnell den Überblick.

Ich hatte es mir ehrlich gesagt etwas „religiöser“ bzw traditioneller und mit mehr Beisammensein vorgestellt. Aber die Sri Lankaner sind nicht wirklich für ihre ausgeprägte Esskultur bekannt, trotzdem aber in jedem Fall sehr gastfreundlich. So saßen wir eben nicht alle zusammen auf dem Boden und haben alle mit der Hand gegessen, wie wir uns sogar gewünscht hätten, sondern es wurde ein separater Tisch für uns „Weiße“ hergerichtet, an dem wir dann mit Messern und Gabeln und natürlich als allererstes essen durften… Danach erst essen alle anderen, aber auch nicht gemeinsam am Boden oder Tisch, sondern jeder schnappt sich eine Schale, füllt sie vom Buffet und isst dann schnell an irgendeinem Platz nebenbei. Das man es für uns extra herrichtet ist normal und  bedeutet für die Gastgeber eben auch Stolz… sie würden wahrscheinlich nicht verstehen, wenn wir sagen, dass wir mit ihnen oder wie sie essen möchten.

Schließlich gibt es auch noch ein paar klassische (Glücks-)Spiele, die man zum Neujahr spielt. So wird um Geld gewettet und gewürfelt, ich hab allerdings keine Ahnung wie es funktioniert, denn wenn 20 Leute auf singhalesisch durcheinander wirbeln, kreischen, diskutieren und lachen dann muss man aufgeben, es verstehen zu wollen, und einfach beim Zuschauen genießen…

Allen, denen mein langer Text hier immer noch nicht reicht, kann ich diesen Blog unbedingt empfehlen: „Lazy but smart Sinhala“. Großartige Seite, um etwas Singhalesisch zu lernen und nebenbei noch etwas über die Kultur zu erfahren. Der Autor ist super witzig!

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